Space Applications Developer Deutschland - Andreas

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SPACE APPLICATIONS DEVELOPER - ANDREAS

SCISYS DEUTSCHLAND GMBH

Seit 14 Jahren ist Andreas bei SCISYS beschäftigt und als "Space Flight Dynamics Application Developer" bei EUMETSAT in Darmstadt eingesetzt. Sein Spezialgebiet ist die Software für das mathematische Satelliten-Modell und für die Bahn- und Lageberechnungen.

 

Als was arbeitest du und was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite seit inzwischen 14 Jahren im Auftrage von SCISYS bei EUMETSAT in Darmstadt. EUMETSAT ist das europäische Zentrum für die Überwachung und Kontrolle meteorologischer Satelliten und für die Aufbereitung und Verbreitung meteorologisch verwertbarer Informationen aus Satelliten-Rohdaten. Meine Tätigkeit  bei EUMETSAT ist "Space Flight Dynamics Application Developer".

Ich bin Mitglied eines Teams von vier Software-Ingenieuren. Deren Aufgabe ist die Wartung und Erweiterung eines integrierten Bodenkontrollsystems zur Satelliten-Überwachung, das gleichzeitig die erforderliche Funktionalität zur Planung, Vorbereitung und Durchführung von Korrektur-Manövern und speziellen Mess-Operationen zur Verfügung stellt. Mein Spezialgebiet ist die Software für das mathematische Satelliten-Modell und für die Bahn- und Lageberechnungen.

 

Welche Ausbildung hast du?

Ich habe ein Diplom in Meteorologie mit den Nebenfächern Mathematik und Informatik. Danach habe ich im Fachbereich Physik über das Thema "Flugzeugmessungen in der planetaren Grenzschicht" promoviert. Während dieser Zeit und danach war ich insgesamt neun Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität im Forschungsbereich "Sicherheit im Luftverkehr" tätig. Danach folgten drei Jahre als Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Section "Physik Atmosphäre/Ozean".

Während dieser Zeit habe ich beschlossen, in die Industrie zu wechseln und mein Glück in der Softwareentwicklung zu suchen, ein Bereich, der mich auch bei meinen vorangegangenen Tätigkeiten schon immer sehr interessiert hat. Dass ich letztlich im Umfeld der Raumfahrt gelandet bin, ist einer Reihe von Zufällen zu verdanken. Dass ich sogar wieder in den Dunstkreis meiner ursprünglichen Ausbildung (Meteorologie) zurückgekehrt bin, ist ebenfalls Zufall; allerdings habe ich bei meiner jetzigen Tätigkeit mit der meteorologischen Sektion der EUMETSAT wenig Berührungspunkte (außer gelegentlich privat).

 

Erzähl uns über deine bisherige Laufbahn bei SCISYS.

Nachdem ich bereits zuvor Erfahrungen im Bereich Space Software Development gesammelt hatte, habe ich Anfang 2001 bei SCISYS UK als "Space Flight Dynamics Engineer" begonnen und meine Tätigkeit als Consultant bei der ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt aufgenommen. Im Frühjahr 2002 wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, bei der EUMETSAT als Onsite-Support-Engineer die Einführung und Inbetriebnahme eines integrierten Bodenkontroll¬systems zu übernehmen, das SCISYS bis dahin im Auftrage der EUMETSAT entwickelt hatte.

Nach einer drei-monatigen Einarbeitungs- und Trainingszeit in den SCISYS-Büros in Chippenham/UK habe ich diese Position übernommen und die ersten Gehschritte des Systems bis zu seiner reibungslosen Funktion begleitet. Danach habe ich einige Monate im SCISYS-Büro Darmstadt gearbeitet und dort verschiedene Aufgaben übernommen. Während dieser Zeit ist es SCISYS gelungen, bei der EUMETSAT den Zuschlag für die Consultancy zu erhalten, die ich noch heute durchführe. Nach der Gründung der SCISYS Deutschland GmbH erfolgte formal ein Wechsel zum deutschen Ableger der Mutterfirma in Großbritannien.

 

Welche Werkzeuge und Fähigkeiten sind in deiner Funktion erforderlich?

Das von mir betreute Satellitenkontrollsystem ist eines der wenigen seiner Art, die auf Microsoft-Windows-Plattformen laufen. Die Software des Systems ist größtenteils in C++ geschrieben, die eher mathematisch-physikalisch orientierten Module in FORTRAN. Ein geringerer Teil der Software ist in Java und Visual Basic implementiert. Entwickelt wird in einer Microsoft-Visual-Studio-Umgebung mit Intel-FORTRAN-Plugin. Ich komme ursprünglich aus der Unix- (oder sogar noch Front-End-Rechner-) Welt, und der Wechsel in die Windows-Welt war ein deutlicher.

Ich schreibe das aber bewusst ohne Wertung; beide Welten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei meiner Tätigkeit bei der EUMETSAT gefällt mir besonders, dass ich als Schnittstelle zwischen den Flight-Dynamics-Ingenieuren und dem Software-Engineering ein Standbein im Bereich der Lösung physikalisch-mathematischer Probleme behalte und ein anderes in der Software-Entwicklung habe.

 

An welchen Projekten arbeitest du im Moment?

In den letzten Monaten haben wir hauptsächlich an der Virtualisierung unseres Systems gearbeitet. Das bedeutet, dass unsere gesamte Software demnächst auf virtuellen Maschinen laufen wird. (Wer nicht weiß, was eine virtuelle Maschine ist, bitte googeln!) Parallel wurde in diesem Projekt die Portierung des Systems auf neuere Versionen des Betriebssystems vorgenommen, und die Software mit einer neueren Version der Entwicklungsumgebung kompiliert und erzeugt. Ein Projektvorhaben für die nähere Zukunft ist die Konfigurierbarkeit des Systems im Hinblick auf Bodenstationen. Bislang ist die Anzahl und Funktion der Bodenstationen in gewisser Hinsicht fest vorgegeben.

 

Was gefällt dir an deiner Arbeit bei SCISYS am besten?

Ich habe mich als Mitarbeiter bislang von der Firma immer fair behandelt gefühlt.

 

Was sind aus deiner Sicht die neuen Trends in deinem Fachgebiet?

Neben der Virtualisierung operationeller Systeme, die inzwischen auch im Bereich der Space Anwendungen zunehmend durchgeführt wird, steht im Moment der Übergang von aufgabenzentrierten zu funktionszentrierten Systemen im Mittelpunkt des Interesses. Für den Bereich der Space Software bedeutet dies, dass Software-Projekte nicht mehr um eine bestimmte Missionsart (z.B. geostationär vs. polare Umlaufbahn etc.) entwickelt werden. Zum Beispiel wird es in Zukunft wahrscheinlich eine Multi-Mission Flight Dynamics Facility geben anstatt eines eigenen Flight-Dynamics-Moduls für jede Mission. Die immer wiederkehrende Frage ist auch hier, durch welche Projekt-Architektur lässt sich eine generische Funktionalitäts-Schnittmenge maximaler Mächtigkeit realisieren.